Fachnews


Berufsunfähigkeitsversicherung

 

 

25.10.2020

Aktuelle Rechtsprechung (Leitsätze, Details hier):

OLG Brandenburg, Urt. v. 15.7.2020 – 11 U 91/19: Anerkenntnis, Abgrenzung zur Kulanzentscheidung, Formelle Wirksamkeit der Einstellungsmitteilung; herabgesetzte Anforderungen, wenn der VN wieder voll im früheren Beruf arbeitet

OLG Saarbrücken, Urt. v. 20.5.2020 -5 U 30/19, VersR 2020, 1169 = BeckRS 2020, 12415: Formelle Unwirksamkeit der Einstellungsmitteilung bei falschem beruflichem Ausgangspunkt

OLG Naumburg, Beschl. v. 12.3.2020 – 1 U 120/19: Neue berufliche Tätigkeiten, Darlegungslast bei konkreter Verweisung

OLG Köln, Urt. v. 28.2.2020 – 20 U 19/19, BeckRS 2020, 3549: Intransparenz einer Regelung zur (erstmalig möglichen) konkreten Verweisung im Nachprüfungsverfahren

BGH, Beschl. v. 26.2.2020 – IV ZR 220/19: Umgang mit Privatgutachten zur BU im Gerichtsverfahren

OLG Saarbrücken, Urt. v. 12.2.2020 – 5 U 42/19: Mehrere Berufe, Beweisaufnahme zu beruflichen Tätigkeiten, Abstrakte Verweisung eines Tennislehrers

OLG Brandenburg, Beschl. v. 11.2.2020 – 11 W 10/19 (PKH-Verfahren): Darlegungslast Beschwerden, faktische Berufsfortführung als Indiz gegen BU, AU ist nicht BU, Erfordernis einer ununterbrochenen BU

OLG Nürnberg, Beschl. v. 6.2.2020 – 8 U 490/19: Formelle Wirksamkeit: Grad der BU erforderlich? Relevanter Zeitpunkt der Vergleichsbetrachtung bei Prozessvergleich im früheren Nachprüfungsverfahren; Gutachten nach Aktenlage im Nachprüfungsprozess; Altklausel Schonfrist

 

07.10.2020

Neu erschienen:

Neuhaus, Berufsunfähigkeitsversicherung in Zeiten von Corona (Covid-19) und Pandemien, 2020, Verlag Books on Demand, 220 Seiten

Zum Werk:

Covid-19 überall: In so gut wie alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens ist das Virus irgendwie vorgedrungen. Das gilt auch für die Berufsunfähigkeitsversicherung – mit 16 Millionen Verträgen in Deutschland eine der wichtigsten privaten Vorsorgeversicherungen.

Zu den unzähligen Problemen durch die Pandemie kommen nun noch viele neue Fragen zur Berufsunfähigkeit hinzu. Das betrifft medizinische Aspekte, etwa die Abgrenzung zwischen Arbeits- und Berufsunfähigkeit im Fall einer Infektion oder das komplexe Thema, ob und wann Quarantänemaßnahmen eine Berufsunfähigkeit auslösen. Ungeklärt ist bspw. auch, welcher Beruf bei einem Wechsel ins Home Office oder in die Kurzarbeit zugrunde zu legen ist und ob eine Berufsunfähigkeit versichert ist, die durch eine Infektion nach mißachteten Schutzmaßnahmen ausgelöst wird.

Diese und viele andere Fragen beantwortet das vorliegende Werk als ein praxisorientierter Mix aus Ratgeber, Sachbuch und Fachbuch. Wer bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzt, findet ebenso wertvolle Informationen wie derjenige, der einen Abschluss erst ins Auge gefasst hat. Verbraucher, Anfänger und Profis aus der Versicherungsbranche einschließlich Vertrieb sowie Anwälte und Richter profitieren von einer klaren Systematik und Lösungen für alle relevanten Probleme.

Der Autor Kai-Jochen Neuhaus – Verfasser des deutschen Standardwerks zur Berufsunfähigkeitsversicherung, Fachanwalt für Versicherungsrecht und erfahrener Dozent – legt dabei Wert auf eine verständliche Sprache und klare Orientierung im schwierigen Berufsunfähigkeitsdschungel.

Angenehmer Nebeneffekt für den einen oder anderen, der sich noch nicht so sehr mit der Berufsunfähigkeitsversicherung auskennt: Ein kleiner Einblick in diese von der Rechtsprechung geprägten wichtigen Versicherung durch immer wieder eingestreute „Basics“ und Zusammenfassungen für „Schnell-Leser“.

Mehr Infos hier.


Gewerbliches Mietrecht

CORONA UND BERUFSUNFÄHIGKEIT: WARUM DIE PANDEMIE PSYCHISCHE STÖRUNGEN FÖRDERT UND DADURCH DIE HAUPTURSACHE VON BERUFSUNFÄHIGKEIT BEFEUERT (Auszug auf dem Buch Berufsunfähigkeitsversicherung in Zeiten von Corona und Pandemien; © 2020 Neuhaus Training & Publishing/K.-J. Neuhaus):

Die Pandemie wird in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit mittel- und langfristig einen Anstieg psychischer Störungen bedingen und damit beträchtliche Auswirkungen auf die Fallzahl psychischer Erkrankungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Es steht außer Frage, dass das Virus und die Maßnahmen zu seiner Eindämmung kollaterale Schäden im psychischen Bereich verursacht haben.[1] Untersuchungen in Zeiten vorhergehender Epidemien weisen auf langfristige Auswirkungen hin.[2] Anpassungsstörungen als eher mildere Variante psychischer Störungen könnten bspw. in Depressionen übergehen und somatische Beschwerden auslösen. Infektionserkrankungen dieses globalen Ausmaßes, einhergehend mit den weitreichenden Maßnahmen und Einschränkungen, die uns allen gegenwärtig sind, sind für die Psyche eine sehr bedeutsame Belastung, denn diese außergewöhnliche Situation trifft unsere Psyche unvorbereitet, die Maßnahmen sind unvergleichlich, und es gibt keine gelernten Verhaltensmuster, auf die wir zurückgreifen können; zudem ist die Situation mit den künftigen Folgen unvorhersehbar.[3] Aus vorhergehenden Epidemien (Ebola 2014, SARS 2003) ist bekannt, dass diese Umstände für die Psyche, die auf das Streben nach Sicherheit und Kontrolle eingestellt ist, in erster Linie sehr ausgeprägten Stress und die Notwendigkeit einer umfassenden Anpassungsleistung erfordert, was zu psychischen Belastungen mit somatischen und psychologischen Folgen führen kann.[4] Zeitversetzt ist dann mit Leistungsfällen zu rechnen, da psychische Erkrankungen die Hauptursache für Berufsunfähigkeit darstellen. Dafür sprechen folgende Indizien:

ANGST UND VERUNSICHERUNG:

Die Pandemie erzeugt Angst und Verunsicherung. Angst vor persönlichen Beeinträchtigungen, zuallererst natürlich der Erkrankung mit dem Risiko sogar des Todes, Angst vor entsprechenden Gesundheitsschädigungen geliebter Menschen, Angst vor wirtschaftlichen Schäden und der Schädigung und des Zusammenbruchs gefestigter Lebensstrukturen. Infektionsängste sind bei medizinischen Personal und ihren Familien besonders ausgeprägt und führen zu belastenden Spannungen.[5] Darüber hinaus erschüttert die Pandemie auch das Vertrauen in gefestigte allgemeine Strukturen wie Demokratie, Rechtsstaat und wirtschaftliches Wohl. Befürchtet wird eine individuelle und allgemeine Wohlstandszerstörung. Neben den individuellen Befürchtungen besteht die Sorge, dass die Wirtschaft und die gefestigten politischen und sozialen Strukturen (einschließlich Europäischer Union) in die Knie gehen und die Fähigkeit, des Staates, zu helfen, gleich mit. Nach mehreren Wochen Corona-Erduldung äußerte jeder fünfte „häufige Angst vor dem, was kommen wird“.[6] Widersprüchliche Meinungen und Empfehlungen einzelner Fachexperten in den öffentlichen Medien über notwendige Verhaltensweisen und -maßnahmen können zur Verunsicherung hinsichtlich der eigenen Risikoeinschätzung beitragen.[7] Zunehmend werden verschiedene soziale Netzwerke zur Informationsgewinnung genutzt, was zu weiterer Verunsicherung führen kann, weil mit steigender Tendenz auf diesen Plattformen Berichte mit teilweise verschwörungstheoretischen Inhalten präsentiert werden, welche aufgrund ihrer dystopisch anmutenden Zukunftsvisionen wie einer dauerhaften Einschränkung der Grundrechteweitere Ängste und Verunsicherungen schüren könnten.[8]

Nach Ansicht von UN-Generalsekretär António Guterres wird die Corona-Pandemie noch lange die Psyche der Menschen beeinflussen; psychologische Hilfe müsse ausgeweitet und vollständig finanziert werden, politische Richtlinien müssten auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen, die unter dem Tod von Angehörigen, dem Jobverlust, der sozialen Isolation oder unsicheren Zukunftsaussichten litten.[9]Wer Angst hat, nimmt Schaden an der Seele[10] – schon 1974 betitelte Rainer Werner Fassbinder seinen grandiosen und nach wie vor hochaktuellen Sozialkritik-Film „Angst essen Seele auf“.[11] Und – und beim Film zu bleiben – Woody Allen sagte: „Es ist wirklich schwierig, nicht den Mut zu verlieren. Man muss sich selbst ständig was vormachen, und manche Leute sind einfach besser darin, sich zu belügen als andere. Wenn man die Realität zu nah an sich heran lässt, bringt sie einen um.“ Die Corona-Pandemie kann allerdings niemand ignorieren, weil sie – jedenfalls von März bis Mai 2020 – in allen Medien auf allen Kanälen allgegenwärtig war. Auch in der Zeit danach schwebt ständig das Damoklesschwert einer Infektion mit ungewissen Folgen über den meisten Menschen.

Die sich in alle Bereiche des Lebens erstreckenden Basismaßnahmen (Abstand halten, Desinfektion, Verbreitung und Ansteckung durch Mund-Nasen-Schutz vermeiden) haben wenig mit einer hypochondrischen Angst zu tun, sondern vielmehr damit, dass die ständige Beschäftigung mit alltäglichen, zuvor selbstverständlichen Abläufen (wie zum Beispiel Händeschütteln) sowie deren Anpassung an die aktuellen Verhaltensempfehlungen zu einer anhaltenden Erhöhung des Stresslevels mit einer erhöhten Anfälligkeit für Stressfolgeerkrankungen führen.[12] Dies sind vor allem Angst- und Somatisierungsstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen und Suchterkrankungen.

Wenn wir Angst, Verunsicherung und Ohnmacht erleben, ist das Stress– und Angstsystem in unserem Körper aktiviert, der gesamte Organismus wird in Alarmbereitschaft versetzt. Überwiegend läuft dies unbewusst und nur bedingt steuerbar ab. Bei anhaltender Erregung können diese Prozesse wesentlich an der Entwicklung einer Angststörung beteiligt sein, insbesondere wenn die Persönlichkeit bereits durch lang anhaltende Belastungs- und Überforderungssituationen geprägt ist. Durch das hohe Stressniveau kann das Gefühl von Hilflosigkeit entstehen, und es werden Sorge und Ängste, die Anforderungen nicht mehr bewältigen zu können (und ggf. den eigenen Leistungsansprüchen nicht gerecht zu werden). Das alles kann in Angststörungen und andere psychische Störungen münden.

Bei Menschen, die ohnehin beim Ausbruch der Pandemie bereits an psychischen Erkrankungen litten, könnten einerseits die durch die Zwangsmaßnahmen weggebrochene alltägliche Struktur einschließlich etwaiger Behandlungsmaßnahmen (persönliche Behandlungen beim Psychotherapeuten etc.) und andererseits die sicherlich alle Menschen treffende diffuse Angst vor dem Virus und der Erkrankung zu einer weiteren Verschärfung der Symptomatik führen. Nach einer Studie führt der Ausnahmezustand zu stärkeren subjektiven Belastungen.[13] Mehr als die Hälfte der Befragten sah eine Verschlechterung der psychischen Erkrankung durch den Ausnahmezustand; schwerer Erkrankte waren stärker belastet. Geschlussfolgert wird, dass Patienten mit psychischen Erkrankungen in der gegenwärtigen Krise eine besonders anfällige Gruppe darstellen und deshalb die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung angepasst werden müsse; spezifische Belastungen müssten bei Patienten mit allen Diagnosegruppen aktiv erfragt werden.

In einem vom Internetanbieter web.de veröffentlichten Interview mit einer Psychologin vom 16.4.2020 wird ausgeführt:[14] „Wer hat es alleine zuhause noch besonders schwer?“ – „Menschen, die zur Depression neigen und die schon vorher wenig Kontakte hatten, aber zum Beispiel einen Tagesablauf mit Einkäufen und Begegnungen mit Nachbarn. Wenn für sie jetzt auch das wegbricht und das Gefühl entsteht, dass es eigentlich egal ist, was sie tun, ist das sehr schlimm. Aber auch Menschen mit anderen psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Zwangs- oder Angsterkrankungen werden wahrscheinlich in ihren Ängsten weiter getriggert.“ „Welche Auswirkungen befürchten Sie für diese Personengruppen?“ – „Dass es noch viel schwieriger für sie wird, da wieder heraus zu kommen. Also, dass die Ängste und Zwänge zunehmen und ein „normales“ Leben für sie immer schwieriger wird.“

BESCHNEIDUNGEN VON GRUNDRECHTEN, ISOLATION, QUARANTÄNE:

Den vorgenannten Aspekten zu beeinträchtigten individuellen Strukturen und Bindungen muss sozusagen noch hinzugerechnet werden, dass die erheblichen Beschneidungen der Grundrechte wie Kontaktsperre mit Besuchsverboten, behördlich angeordneter Isolation bei Covid-19-Erkrankung oder Krankheitsverdacht (Quarantäne), Reisebeschränkungen und Berufsausübungsverboten, mögen sie auch immer als temporär bezeichnet worden sein, schon bei vielen Menschen ohne psychische Beeinträchtigungen ein ungutes Gefühl erzeugen. Oder anders ausgedrückt: Auf was kann man sich noch verlassen, wenn plötzlich elementare und selbstverständliche Rechte eingeschränkt werden? Es ist anzunehmen, dass dies Personen mit seelischen Erschütterungen zu zusätzlichen Sorgen und Ängsten führen kann und bei an sich bisher gesunden Menschen diese psychischen Erschütterungen erzeugt. Aus vergleichbaren Situationen (Quarantäne während Ebola-/SARS-Epidemien) wurde anhaltendes psychisches Leiden und eine Häufung von Symptomen psychischer Störungen berichtet; der mögliche Kontakt zu dem Erregervirus ist aus psychischer Sicht somit nur zum Teil Auslöser für die Stressreaktionen, ein sehr bedeutender Anteil ist eben auch der Kontaktbeschränkungen Isolation zuzuschreiben, die mit ausgeprägten und zum Teil anhaltenden Stressreaktion einhergehen, was wiederum das Risiko von Entwicklungen psychischer Störungen erhöht.[15] Erste Studien aus China im Frühjahr 2020 weisen auf ausgeprägte psychische Auswirkungen hin.[16]

Quarantänemaßnahmen bei schwerwiegenden Coronavirus-Ausbrüchen haben nach einem rapid review[17] von 13 Studien weitreichende negative Konsequenzen für die psychosoziale Gesundheit.[18] Beschrieben werden Depressivität, Ängstlichkeit, Wut, Stress, posttraumatische Belastung, soziale Isolation, Einsamkeit und Stigmatisierung. Bestimmende Faktoren waren u. a. die Dauer der Quarantäne und Einkommensverluste. Tätige im Gesundheitswesen waren eine besonders betroffene Gruppe.

Juristisch sind Corona-Beschränkungen jedenfalls auch psychisch Kranken zumutbar: Die Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln in der Corona-Krise sind nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts auch psychisch kranken Menschen zuzumuten; diese werden von den Maßnahmen zwar besonders hart getroffen, eine generelle Aufhebung der Beschränkungen und ein möglicher Wiederanstieg der Zahl der Infizierten hätten aber gravierendere Folgen für sehr viele Menschen.[19] Geklagt per Eilantrag hatte ein psychisch Erkrankter mit einer langwierigen schweren Depression, der behauptete, seine Erkrankung verschlimmere sich, wenn er keinen direkten Kontakt zu anderen Menschen pflegen könne; digitale Beratungsangebote könnten nicht die Treffen in der Selbsthilfegruppe oder das Gespräch mit dem Therapeuten ersetzen. Ziele des Antrags war es, dass die entsprechenden Regelungen in der hessischen Corona-Verordnung vorläufig außer Kraft gesetzt werden sollten. Das BVerfG verweist jedoch auf eine in dieser besonderen Situation zumutbare therapeutische Hilfe via Videosprechstunde.

AUSWIRKUNGEN BEI INFIZIERTEN, FOLGEERKRANKUNGEN:

Die psychischen Auswirkungen für Infizierte dürfen nicht unterschätzt werden. Bei Menschen, die an seltenen oder wenig erforschten Störungsbildern erkranken, sind die psychologischen Auswirkungen wegen des fehlenden Wissens über die Erkrankung (Genesungschancen, Heilungsprozesse, Langzeitfolgen usw.) besonders hoch.[20] Hinzu kommt bei einer Covid-19-Infektion die Abschottung von anderen Menschen, was zusätzliche Ängste und Sorgen auslöst. Auch Stigmatisierungen durch Dritte können psychische Folgen auslösen.

Noch völlig ungeklärt ist auch die Frage, welche organischen Spätfolgen eine Infektion mit Covid-19  Hier ist zunächst einmal an die unmittelbaren organischen Folgen zu denken, d. h. eventuelle Einschränkungen der Lungenfunktion und damit verbunden des Herz-Kreislauf-Systems. Wer die Infektion überstanden hat, könnte also trotzdem noch mit neuen, womöglich lebenslangen Folgen zu kämpfen haben. Dass darüber hinaus schwere und chronische organische Krankheiten der Nährboden für darauf wurzelnde psychische Erkrankungen sein können, ist seit langem bekannt, sodass auch hier ein Risikopotenzial besteht. Je nachdem, wie die Infektion verlaufen ist und welche psychische Widerstandskraft der Erkrankte hat, erscheint es auch aus Laiensicht lebensnah, dass die mit der Krankheit verbundene Sorge und Angst – erst recht bei medizinischen Intensivmaßnahmen und möglichem Überlebenskampf – psychische Störungen neu auslöst oder vorhandene verstärkt. Diese Sekundärfolgen sollten nicht unterschätzt werden, weil hier beispielsweise aus einer leichten Symptomatik eine schwere werden kann, die dann zur Berufsunfähigkeit führt.

In der Wissenschaft gut geklärt ist allerdings die Problematik, welche Folgen eine intensivmedizinische Behandlung generell haben kann. In der Bevölkerung kursiert hier eine gewisse, am Anfang der Pandemie auch durch die Fokussierung der Politik auf die Frage der Intensiv-Behandlungsplätze geförderte Gutgläubigkeit, dass sozusagen dank einer intensivmedizinische Versorgung (vor allem mit Beatmungsplätzen) schon irgendwie alles gut gehen werde, wenn „es einen erwischt“. Das ist allerdings ein Irrglaube, weil Patienten nach Intensivtherapie nicht nur physische Langzeitfolgen aufweisen (z. B. Nierenfunktionseinschränkungen, Leberfunktionsstörungen), sondern auch eine erhöhte Anzahl an psychischen Symptomen und Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen zeigen. Es gibt sogar ein eigenes Krankheitsbild, das die möglichen Folgen einer intensivmedizinischen Behandlung charakterisiert. Bei diesem „Post Intensive Care Syndrome“ sind die häufigsten Krankheitssymptome Muskelerkrankungen und Beeinträchtigungen des Zentralnervensystems betroffen. Das sog. Delir (ursprünglich lat. „de lire“ – „aus der Spur geraten“, später „deliriare“ – „verrückt sein“) stellt die häufigste psychiatrische Erkrankung auf Intensivstationen dar und umfasst nach dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) alle psychischen Störungen, die eine organische Ursache haben, durch einen akuten Beginn charakterisiert sind und mit verändertem Bewusstsein, gestörter Aufmerksamkeit und anderen kognitiven Störungen einhergehen.[21] Die Prävalenz des Delirs auf der Intensivstation, also die Häufigkeit in Bezug auf alle Patienten der Station, beträgt bei beatmeten Patienten 60–82%, bei nicht beatmeten 40–60%.[22] Damit stellt bereits die Notwendigkeit, intensivmedizinisch wegen Covid-19 behandelt werden zu müssen, ein erhebliches Risiko dar, psychisch zu erkranken. Dies gilt selbstverständlich leider erst recht, wenn bereits zuvor psychische Störungen vorlagen.

Das alles wird im negativen Sinne abgerundet durch die mit den staatlichen Schutzmaßnahmen leider zwangsläufig verbundene prekäre wirtschaftliche Lage für viele Arbeitnehmer und Selbstständige. Das Virus als Jobkiller: Wer seinen Arbeitsplatz verliert, aufgrund von Kurzarbeit nicht mehr genügend Geld zur Verfügung hat oder als Unternehmer mit Vollgas in die Insolvenz mit allen dramatischen Folgen für das Berufs- und Privatleben schlittert, ist extremen psychischen Belastungen ausgesetzt. Eine finanzielle Not ist wohl der größte Risikofaktor für anhaltendes psychisches Leiden bei Epidemien.[23] Diese Belastungen wird nicht jeder meistern können, zumal es typisch für einen solchen finanziellen Existenzkampf ist, dass psychische oder psychosomatische Symptome verdrängt werden (müssen). Scheitern hat der Psyche noch nie gut getan. Wer in einer solchen akuten Situation bspw. von Schlaflosigkeit und einem „Grübelkarussell“ geplagt wird, wird zudem kaum die Zeit finden, sich ärztlich beraten zu lassen. Hier dürfte selbst bei vielen Gesunden der Grundstein für kommende psychische Erkrankungen mit entsprechenden Leistungsanträgen bei den Berufsunfähigkeitsversicherern gelegt werden.

WUT, OHNMACHT:

Die sich bei manchen Bürgern zeigende Wut in Form von Verschwörungstheorien, Leugnen oder Herabspielen der realen Situation („nicht schlimmer als eine Grippe“) und dystopisch erscheinenden Visionen eines allmächtigen und totalitären Staates könnten in Einzelfällen ein „Durchgangsstadium“ zu psychischen Erkrankungen sein. Die sich in Demonstrationen, Posts in sozialen Netzwerken und ähnlichen Aktionen bahnbrechende Empörung bis hin zur Aggression hat natürlich psychologische Hintergründe, die hier nicht umfassend erörtert werden können. Jedenfalls spricht viel dafür, dass hinter solchen Reaktionen auf schwerwiegende Erschütterungen Sorgen, Ängste und eine extreme Unsicherheit stecken, die dann sozusagen in einen zum Teil fatalen Aktionismus umschlagen. In der Fachliteratur wird eine solche reaktive und gegen Dritte gerichtete Wut als Stadium einer Entwicklung bis hin zu Depressionen beschrieben.[24]

Aber auch, wer die psychische Widerstandskraft und Fähigkeit besitzt, solche schwierigen Lebenssituationen ohne anhaltende gesundheitliche Beeinträchtigung zu überstehen (sog. Resilienz), jedoch wirtschaftlich scheitert, wird vielleicht auf die Idee kommen, mit der versicherten Rentenzahlung zumindest eine gewisse Zeit zu überbrücken oder sich vielleicht gänzlich darauf als finanzielle Lebensgrundlage einzurichten. Solche nicht medizinisch, sondern wirtschaftlich ausgelösten Rentenbegehren sind ein klassisches Problem in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Versichert als Auslöser der Berufsunfähigkeit sind hier nur Krankheiten, Körperverletzungen und Kräfteverfall, nicht aber finanzielle Probleme.

HOME-OFFICE:

Ob sich die mit dem Nimbus der Freiheit und Selbstständigkeit versehene Arbeit im Home-Office, die nun Hunderttausende aus organisatorischen oder auch Quarantäne-Gründen traf, schädlich auf die Psyche auswirkt, gesundheitlich unbedenklich oder vielleicht sogar psychisch stabilisierend sein könnte, scheint derzeit noch ungeklärt zu sein. Bereits vor der Pandemie wurde festgestellt, dass Menschen, die viel von zu Hause arbeiten, häufiger unter psychischen Problemen wie Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und Schlafstörungen als Beschäftigte leiden, die jeden Tag ins Büro fahren.[25] Ausgehend von dieser Prämisse wäre es wahrscheinlicher als unwahrscheinlicher, dass bei Heimarbeitern psychische Störungen auftreten oder sich bereits vorhandene Beschwerden verschärfen. Zurückgeführt wird die größere psychische Belastung a. auf eine generelle Aufweichung der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit; insbesondere sind für flexibel arbeitende Menschen sowohl eine Verschiebung als auch eine Ausweitung der Arbeitszeiten auf den Abend oder das Wochenende feststellbar.[26]

Es gibt allerdings auch Anzeichen dafür, dass eine typische Ursache für psychische Erkrankungen – dauerhafter negativer Stress im Beruf – sich durch die Pandemie-bedingten Umstellungen in der Arbeitswelt auf mehr Home-Office-Tätigkeiten verringern könnte. Nahezu jeder Zweite, der im Home-Office arbeitet, darunter viele Mitarbeiter, die durch die Corona-Krise erstmals zur Arbeit in den eigenen vier Wänden geschickt wurden, bewertet nach einer Studie der Krankenkasse DAK das Arbeiten im Home-Office positiv: kein langer Arbeitsweg, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, flexiblere Arbeitszeiten und weniger Stress bei gleich hoher Produktivität.[27] Die Heimarbeit scheint sich positiv auf die psychische Gesundheit auszuwirken: Während sich vor der Pandemie 21 % der Beschäftigten regelmäßig gestresst fühlten, waren es während der Krise nur noch 15 %, und der Anteil der Erwerbstätigen, die nie oder nur gelegentlich gestresst waren, stieg von 48 auf 57 %.

Zusammenfassend können somit sowohl positive als auch negative Effekte von Home-Office auf die Produktivität und auf die Gesundheit festgestellt werden.[28]

BESONDERHEITEN BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN:

Die Erfahrungen in der Covid-19-Pandemie könnten für Kinder und Jugendliche eine akute Belastungssituation darstellen, die mit Anpassungsschwierigkeiten und der Entwicklung psychischer Störungen verbunden sein kann. Nicht nur die elterliche Stressresilienz und die damit verbundene Fähigkeit, den Kindern in einer Krisensituation Sicherheit und Orientierung vermitteln zu können, sondern auch individuelle biologische, personenbezogene Faktoren beim Kind sowie gesellschaftliche Umstände beeinflussen das Ausmaß, wie stark sich eine akute Krise wie die Pandemie negativ auf die kindliche Entwicklung auswirkt oder ein Kind psychisch gesund – resilient – trotz der ausgelösten Belastungen bleibt.[29] Es ist anzunehmen, dass durch die Pandemie weitreichende Veränderungen anstehen, die die bisherigen Lebensumwelten von Kindern nicht nur kurz-, sondern langfristig verändern werden, beispielsweise in Bezug auf den Schulalltag. Wegen dieser vielfältigen und letztlich nicht allgemein berechenbaren Einflüsse besteht das Risiko, dass bei unzähligen Kindern und Jugendlichen während der Pandemie der „Grundstein“ für spätere psychische Erkrankungen gelegt worden ist.

ERSTE STATISTISCHE BELEGE:

Es gibt erste statistische Anzeichen dafür, dass sich die Zahl der krankheitbedingten Fehltage wegen psychischer Probleme durch die Corona-Krise angestiegen ist. Krankheitsbedingte Ausfälle aufgrund von Depressionen haben sich bei den AOK-versicherten Beschäftigten im Rheinland von 2004 bis 2019 mehr als verdoppelt, wobei rezidivierende depressive Störungen in diesem Zeitraum sogar um ein Dreifaches zunahmen. Die ersten Zahlen des Jahres 2020 (Januar–Mai) zeigen deutlich einen negativen Trend: sowohl bei den Depressionen als auch bei den rezidivierenden depressiven Störungen scheint es in Zeiten von Corona wieder einen deutlichen Anstieg zu geben, denn im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 sind nach der Studie des Instituts für betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) der AOK Rheinland/Hamburg in der ersten Hälfte des Jahres 2020 rund 9 % mehr Ausfalltage wegen Depressionen und anderer psychischer Beeinträchtigungen aufgetreten.[30]

Zusammengefasst muss man deshalb sagen: es gibt eine Menge Indizien dafür, dass die Zahl psychische Erkrankung im Allgemeinen durch die Pandemie zunehmen wird und dann im Speziellen natürlich auch im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung. Man muss auch offen aussprechen, dass der eine oder andere Versicherte – ohne dass dies sicherlich repräsentativ für die Mehrzahl der Versicherten sein kann – bei finanziellen Schwierigkeiten auf die Idee kommen könnte, auch ohne (gravierende) psychische Beschwerden Berufsunfähigkeit anzumelden, um zum Ausgleich der Geldprobleme an die versicherte Rente zu kommen. Solche Fälle ließen sich vereinzelt leider bereits in Nicht-Corona-Zeiten beobachten, und sie werden deshalb angesichts zahlreicher Insolvenzen und Jobverluste sicherlich nicht weniger werden.

Insgesamt ist mit einer durch die Corona-Pandemie verursachten deutlich steigenden Zahl von Leistungsanträgen bei den Berufsunfähigkeitsversicherern zu rechnen. Beeinflusst werden kann dies nicht, Versicherer müssen sich aber auf erhöhte Fallzahlen einstellen.

[1]    Xavier Bettel, Premierminister des Großherzogtums Luxemburg, Grußwort in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 8.

[2]    Benoy in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 29.

[3]    Benoy in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 23.

[4]    Benoy in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 23, 25.

[5]    Benoy in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 28.

[6]    Westfälische Rundschau Nr. 95 vom 23.4.2020 mit Bezugnahme auf diverse Umfragen.

[7]    Wolff/Walter in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 36.

[8]    Wolff/Walter in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 36.

[9]    António Guterres, 13.5.2020, zitiert nach https://www.handelsblatt.com/dpa/wirtschaft-handel-und-finanzen-un-chef-trauer-und-angst-werden-auch-nach-corona-epidemie-bleiben/25827210.html.

[10]  Christian Lindner, Vorsitzender der FDP, in einer Rede am 23.4.2020 im Bundestag.

[11]  Der Filmtitel ist mittlerweile zum geflügelten Wort geworden, selbst der Duden (Zitate und Aussprüche) listet den Satz als stehende Redewendung. Entstanden ist der Titel zufällig durch eine Äußerung El Hedi Ben Salems, damaliger (Lebensabschnitts-) Gefährte Fassbinders und Hauptdarsteller des Films (zitiert nach Wolfgang Melchior,       http://www.filmzentrale.com/rezis/angstessenseeleauf.htm).

[12]  Wolff/Walter in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 36.

[13]  Frank/Hörmann u. a., Psychisch krank in Krisenzeiten: Subjektive Belastungen durch COVID-19, Psychiatrische Praxis 2020; 47(05): 267-272; abrufbar unter https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-1179-4230 (Abruf am 6.7.2020).

[14]  Interview von Katja Ollech mit der Diplom-Psychologin und Autorin Elisabeth Raffauf.

[15]  Benoy in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 25.

[16]  Benoy in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 26 mit Fallzahlen und weiterführenden Angaben.

[17]  Systematische wissenschaftliche Reviews mit einer strikten Systematik den sog. Goldstandard für Evidenzsynthesen in der evidenz-basierten Medizin dar, ihre Erstellung benötigt aber oft Monate oder Jahre. In der Praxis brauchen Entscheidungsträger im Gesundheitswesen aber rasche Antworten. Rapid Reviews sind weniger umfassende, dafür aber schnellere Evidenzsynthesen.

[18]  Röhr/Müller u. a., Psychosoziale Folgen von Quarantänemaßnahmen bei schwerwiegenden Coronavirus-Ausbrüchen: ein Rapid Review, Psychiatrische Praxis 2020; 47(04): 179-189; abrufbar unter

       https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-1159-5562 (Abruf am 6.7.2020).

[19]  BVerfG, Beschl. v. 1.5.2020 – 1 BvQ 42/20.

[20]  Benoy in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 27.

[21]  Haller, Das Delir auf der Intensivstation, Swiss Medical Forum – Schweizerisches Medizin-Forum 2015;15(31–32): 696–701; abrufbar unter

https://medicalforum.ch/journalfile/view/article/ezm_smf/de/smf.2015.02351/3ce4202a8e2f1235740030f42682e8d98e8cb8e4/smf_2015_02351.pdf/rsrc/jf (Abruf am 6.7.2020).

[22]  Haller, Das Delir auf der Intensivstation, Swiss Medical Forum – Schweizerisches Medizin-Forum 2015;15(31–32): 696–701; abrufbar unter https://medicalforum.ch/journalfile/view/article/ezm_smf/de/smf.2015.02351/3ce4202a8e2f1235740030f42682e8d98e8cb8e4/smf_2015_02351.pdf/rsrc/jf (Abruf am 6.7.2020).

[23]  Benoy in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 31.

[24]  Žižek, Wir Verdrängungskünstler: wie das Coronavirus uns verändert, Abruf unter      https://www.nzz.ch/feuilleton/slavoj-zizek-wie-uns-das-corona-virus-veraendert-ld.1542809 (abgerufen am 11.8.2020)

[25]  Fehlzeiten-Report 2019 der AOK; basierend auf einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK-Krankenkassen im Frühjahr 2019 von ca. 2.000 Beschäftigten zwischen 16 und 65 Jahren; vgl. auch Pressemitteilung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK/WIdO und des AOK-Bundesverbandes vom 17.9.2019.

[26]  Weichbrodt/Schulze in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 93.

[27]  „Digitalisierung und Home Office in der Corona-Krise – Sonderanalyse zur Situation in der Arbeitswelt vor und während der Pandemie“, Befragung der Krankenkasse DAK unter 7000 Bürgern zwischen 18 und 65 Jahren (Stand 8.7.2020); abrufbar unter

       https://www.dak.de/dak/download/folien-2295280.pdf.

[28]  Weichbrodt/Schulze in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 93 mit diversen Erklärungsmodellen.

[29]  Stadler in Benoy, COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche, S. 93 mit diversen Erklärungsmodellen.

[30]  Lockdown – Gift für die Seele?, abrufbar unter

       https://www.bgf-institut.de/fileadmin/redaktion/downloads/ Grafik_des_Monats/Grafik_des_Monats_August-_2020.pdf. (Abruf am 28.8.2020).